Smarter Logistics - Anton Schäfer

Drei Fragen an Anton Schäfer

von Bernhard Steimel 3. November 2020

Die Logistikbranche ist Digitalisierungsvorreiter, basiert aber immer noch stark auf Papier und manuellen Prozessen, sagt Dr. Anton Schäfer, Industry Lead Travel, Transport & Logistics bei T-Systems. Das werde sich aber bald ändern.

»Die Mehrzahl der Unternehmen ist stark an zusätzlichen digitalen Services interessiert.«

Was sind die wichtigsten Digitaltrends, die Logistikunternehmen zurzeit beschäftigen?

Wichtig ist erstens der Datenaustausch innerhalb der Supply Chain. Dafür schaffen die Unternehmen Papierprozesse ab und gestalten die Datenerfassung digital. Anschließend teilen sie diese Daten mit Partnern in der Lieferkette. Entscheidend ist es hierbei, die Datensouveränität zu erhalten, etwa über die International Data Spaces. Zweitens ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Der Logistikbetrieb wird umweltfreundlicher, etwa durch das Vermeiden von Leerfahrten mit Routenoptimierung.

Hilfreich ist hierbei Track & Trace der Fahrzeuge im Internet der Dinge. Damit verbessert sich die Planung und die Verfügbarkeit der Fahrzeuge steigt. Nachhaltigkeit ist aber kein reines Umweltthema, die digitalen Technologien ermöglichen auch Effizienzverbesserung und Kostensenkung.

Zur Vereinfachung und Beschleunigung der Abläufe in der Transportlogistik, ist ein digitaler Lieferschein wichtig. Er ersetzt Papierformulare durch IT-Systeme. Drittens geht es um Kundenzufriedenheit und Kundeninteraktion. Die Kunden benötigen Informationen. Zum Beispiel im B2C-Bereich ein Zeitfenster für die Zustellung und bei B2B-Logistik die jederzeit aktuelle Estimated Time of Arrival (ETA).

Wo liegen aktuell die Automatisierungspotenziale von Prozessen und Dienstleistungen in der Logistik?

Transparenz durch Tracking von Fahrzeugen und Waren steht am Anfang. Viele der damit ermittelten Daten sind bereits jetzt bekannt, werden aber oft nur auf Papier erfasst. IoT-Lösungen übertragen sie in die Cloud, sodass sie sofort verfügbar sind. Anschließend lassen sich damit Prozesse automatisieren.

Allerdings müssen die Unternehmen zunächst einmal analysieren, an welchen Punkten sie die interne Datenanalyse verbessern müssen, um ihre Prozesse weiterzuentwickeln. Weiterhin sollten sie ermitteln, wo sie noch stark auf manuelle Arbeit angewiesen sind. So kann ein Kunde digital über die voraussichtliche Ankunftszeit (ETA) per Push-Nachricht oder in einem Kundenportal informiert werden. Entscheidend ist dabei, dass die gesamte Logistikkette berücksichtigt wird, also Versender, Transporteur und Empfänger.

Wo liegen aktuell die Automatisierungspotenziale von Prozessen und Dienstleistungen in der Logistik?

Ein wichtiger Teil der Branche ist die Lagerlogistik, die durch Corona einen Auftrieb bekommen könnte. Welche Trends sehen Sie hier? Besitzer und Betreiber der entsprechenden Immobilien sollten sie aufwerten, um eine moderne Lagerlogistik zu erlauben. Das beginnt bei der Nachhaltigkeit und dem Senken der Betriebskosten durch Energie- und Wärmemanagement. Ebenso wichtig ist die Vorbereitung der Vernetzung, etwa ein integriertes Funknetz (WLAN) oder ein 5G-Campous-Netzwerk für Asset-Tracking, um alle Güter zu lokalisieren.

Viele Logistiker rüsten noch weiter auf. Das kann bis zu einer digitalisierten chaotischen Lagerhaltung gehen, wo alle Aufgaben von Hochregalsystemen, autonomen Fahrzeugen, Drohnen oder Robotern erledigt werden. Digitale Technologien können die Mitarbeiter unterstützen, indem sie Bewegungsanalysen erzeugen. Das ergibt optimierte Laufwege und letztlich einen besseren Gesundheitsschutz der Mitarbeiter.


Dies ist ein Auszug aus unserer neuen Studie „Trendbook Smarter Logistics – Wie sich die Logistik digital transformiert“. Hier geht‘s zum Download.

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