Mehr Agilität, alle besser zusammenwirken

von Bernhard Steimel
9. Dezember 2020
Mehr Agilität, alle besser zusammenwirken

Damit Unternehmen in der Digitalwirtschaft erfolgreich bleiben, dürfen sie Digitalisierung nicht nur als einmalige Aufgabe verstehen. Es reicht nicht aus, einmal alle Prozesse zu digitalisieren und zu vernetzen. Sie müssen stattdessen agil weiterentwickelt werden. Voraussetzung ist allerdings ein Wandel in der Unternehmenskultur und bei den Mitarbeitern.

Mitarbeiter finden und binden

Der Fahrermangel hat großen Einfluss auf den operativen Geschäftsbetrieb in der Logistikbranche, betont die Studie „Digitalisierung der Transport- kette und die Rolle der Fahrer” der Bundesvereinigung Logistik (BVL) und T­Systems.

Gegenwärtig fehlen der Branche rund 40.000 Fachkräfte. Angesichts des Wachstums bei den Transporten könnte das Problem wachsen, da in den nächsten Jahren viele Fahrer in Rente gehen und zu wenige nachkommen. Die Unternehmen müssen also neue Mitarbeiter finden und die vorhandenen Arbeitskräfte stärker an die Firma binden.

Letzteres lässt sich durch Abbau von Ineffizienzen erreichen, etwa ein besseres Zeitfenstermanagement sowie effizientere Kapazitätsplanung an der Entladestation. Doch auch Telematik kann helfen:

Die Unternehmen sehen das größte Potenzial in verbesserter Touren­, Routen­ und Ladeplanung durch Vernetzung der Fahrzeuge.

Ein zweiter Faktor: Mit der Digitalisierung von HR-Prozessen erreichen Unternehmen ein modernes, digitales Recruitment. Dabei sollten sie alle Möglichkeiten nutzen, etwa soziale Netzwerke oder Videoplattformen wie YouTube, um ihre Arbeitgebermarke auszubauen.

Bewerberplattform mit digitaler Benutzererfahrung

Recruiting bei der Deutschen Bahn heißt: Jährlich müssen allein in Deutschland rund 12.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, Hochschulabsolventen, Arbeiter und Angestellte. Diese große Bandbreite an Menschen ist eine Herausforderung, der die Bahn mit Digitalisierung begegnet. Ihre Talentplattform Avature ATS richtet sich an Bewerber ebenso wie Personalvermittler. Sie berücksichtigt die unterschiedlichen Erwartungen von Studenten, Absolventen und bereits Berufstätigen. Die Benutzeroberfläche orientiert sich an gängigen Standards der Tech-Branche.

Ein weiterer Aspekt ist die digitale Weiterbildung der vorhandenen Mitarbeiter. Nach einer Unterschung von Bitkom Research wird die Vermittlung von Digitalkompetenz in Zukunft für die Unternehmen zum Pflichtprogramm. Der Grund: Drei Viertel der Unternehmen vermuten, dass Wissen und Fähigkeiten zur Digitalisierung eine große Bedeutung erreichen wird.

Die Logistiker gehen davon aus, dass die Ansprüche an die Arbeitskräfte in Zukunft eher steigen wird. Zwar werden Roboter in Zukunft verstärkt schwere Arbeiten übernehmen, doch für die Mitarbeiter bleibt noch genug zu tun: 76 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sie in Zukunft verstärkt Aufgaben mit Entscheidungskompetenz haben werden. Kurz: Die Logistik erweist sich auch in Zukunft als attraktives Arbeitsfeld für Berufseinsteiger.

Logistikhelden arbeiten nur bei attraktiven Arbeitgebern

Logistikhelden ist eine Werbekampagne, mit der verschiedene Unternehmen und Verbände das Image der Logistik verbessern möchte. Sie porträtiert Menschen, die der Branche mit beeindruckenden Leistungen und Geschichten ein Gesicht geben. 14 Leute von der Berufskraftfahrerin über die Eventlogistikerin bis hin zum Robotik-­Experten berichten aus Ihrem Arbeitsalltag und beantworten Fragen: Was macht einen Job in der Logistik so spannend? Wo liegen Herausforderungen und Chancen für die Zukunft? Und wie können persönliche Stärken einfließen?

Das Unternehmen als soziales Netzwerk

Das Homeoffice ist in der Corona­ Krise zur Chiffre für die nachgeholte Digitalisierung der Arbeitsplätze geworden. Eine gemeinsame Studie der mhplus­-Krankenkasse und die SDK Süddeutsche Krankenversicherung zieht ein positives Zwischenfazit. 65 Prozent der Befragten arbeiten lieber zuhause als im Büro. Ungestört von akustischen oder sozialen „Nebengeräuschen” im Büro fallen vor allem kreative Aufgaben zu Hause leichter als in der Firma. 57 Prozent können nach eigenen Angaben im Heimbüro besser kreativ arbeiten, im Büro sind es nur 18 Prozent.

Diese Ergebnisse zeigen: Mitarbeiter und die Unternehmen profitieren vom Homeoffice – ebenso wie von anderen Maßnahmen zur flexiblen und mobilen Arbeit. Sie gehören zu den neuen Arbeitskonzepten, die meist als New Work bezeichnet werden und von Vertrauensarbeitsort und ­zeit ausgehen. Aus Sicht der Mitarbeiter steigern sie die Attraktivität eines Arbeitgebers.

Doch sie besitzen einige Voraussetzungen. Basis bilden virtuelle, digitale Arbeitsplätze aus der Cloud, an denen mobiles Arbeiten an

unterschiedlichen Orten leicht fällt. Eine zweite Voraussetzung ist die verstärkte Kommunikation, denn Teams und Abteilungen müssen auch außer- halb des Firmengebäudes effizient zusammenarbeiten.

Hierfür gibt es zum einen Mitarbeiter-Apps, mit denen Unternehmen alle ihre Mitarbeiter erreichen und sich diesen zugleich untereinander verständi- gen können. Der große Vorteil gegenüber einem Intranet: Unternehmen erreichen mit einer App auch Personen ohne Computerarbeitsplatz. Sie eignet sich auch für den Einsatz auf einem privaten Smartphone, sodass wichtige Informationen jeden erreichen – etwa in der Krisenkommunikation.

Allerdings lässt sich mit einer solchen App aus Sicherheitsgründen nicht alles erledigen. Zu diesem Zweck besitzt das weit verbreitete Office­Programm „Microsoft 365” ein spezielles Modul für die Teamarbeit, dass schlicht „Microsoft Teams” heißt. Es verknüpft alle Mitarbeiter mit einer Messaging­Funktion und lässt sich nach Teams, Projekten und anderen Kategorien gliedern. Die integrierte Videokonferenzfunktion erleichtert Meetings und ersetzt so manche Dienstreise.

New Work und Digitalisierung – zwei Erfolgsfaktoren

Bei der Otto Group in Hamburg ist New Work schon Alltag. Es ist für das Unternehmen entscheidend, die Erfahrung der Mitarbeiter in Strategien und Prozesse aufzunehmen und sie mitentscheiden zu lassen. Für bessere Entscheidungen und einfache Kommunikation hat der gesamte Konzern Microsoft 365 eingeführt. Alle Mitarbeiter können in Team­ Räumen zusammenarbeiten, sprechen und chat- ten. Mit Collaboration­-Plattformen können sich Mitarbeiter und vor allem die Führungskräfte schnell und unbürokratisch abstimmen.

Das ganze Unternehmen auf eine digitale Lernreise mitnehmen

Digitale Werkzeuge helfen bei der Digitalisierung

Zum Beispiel durch Anwendungen, die Mitarbeiter bei der Arbeit mit neuen digitalen Werkzeugen schulen und trainieren.

Datenbrillen für das Onboarding

BLG Logistics nutzt in verschiedenen Bereichen Datenbrillen. Mitarbeiter werden mithilfe einer Augmented­-Reality­-Brille, die zusätzliche Informationen darstellt, durch den operativen Umpackprozess geführt und für häufige Fehler sensibilisiert. Sie haben dabei jederzeit beide Hände frei und können den Prozess auch über Sprache steuern. Außer auch außerhalb des Arbeitsalltags helfen solche Verfahren: Mit Virtual­Reality­Brillen werden neue Kollegen auf den Packprozess vorbereitet. Sie erleben mit der Brille die Simulationen der entsprechenden Prozesse und können sie im Vorhin- ein erproben. Dadurch sind typische Anfängerfehler kein Problem und die Trainer können gezielte auf Stärken und Schwächen der neuen Kollegen eingehen.

Digitale Technologien selbstständig lernen

WalkMe führt die Mitarbeiter durch komplexe Anwendungen und macht sie mit allen wichtigen Prozessen bekannt. Dabei wird der Blick des Nutzers auf alle für ihn relevanten Funktionen gerichtet und ihm wird genau gezeigt, auf welche Weise er sie bedienen kann. So vermeiden Unternehmen Falscheingaben sowie unnötige Support­Tickets und haben eine Alternative zu kostenintensiven Schulungen. Die Einführungsphase einer neuen Software verkürzt sich dadurch deutlich und die Mitarbeiter finden sich schneller in der neuen Anwendung zurecht. Wer noch unsicher ist, kann darüber hinaus jede Demo so oft wiederholen, wie er möchte.


Dies ist ein Auszug aus unserer neuen Studie „Trendbook Smarter Logistics – Wie sich die Logistik digital transformiert“. Hier geht‘s zum Download.

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